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Hilfe aus einer Hand: das Komplexe Hilfeleistungssystem des DRK in Brandenburg

Symbolische Puzzleteile mit Bezeichnungen wie Katastrophenschutz, Notfallrettung, Pflege, Suchdienst, Jugendrotkreuz oder Selbsthilfe setzen das sogenannte Komplexe Hilfeleistungssystem zusammen.

In vielschichtigen Krisenlagen stoßen isolierte Hilfestrukturen schnell an ihre Grenzen. Dank des sogenannten Komplexen Hilfeleistungssystems, das Elemente von Hilfsorganisation und Wohlfahrtsverband sowie Haupt- und Ehrenamt eng miteinander vernetzt, kann das DRK auf Krisen besonders wirksam und flexibel reagieren.

Ein System aus ineinandergreifenden Bausteinen

Das Grundprinzip: Die vielfältigen Dienste und Angebote des Roten Kreuzes greifen ineinander wie Puzzleteile, die in Krisen jeder Art flexibel zusammenwirken. Einzelne Elemente sind unter anderem die ehrenamtlichen Gemeinschaften des DRK, Rettungsdienst, Pflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste, Beratungsstellen oder Ausbildungseinrichtungen.

Das Komplexe Hilfeleistungssystem verdeutlicht, was das DRK im Gegensatz zu anderen Organisationen besonders auszeichnet: die enge Verknüpfung von Bevölkerungsschutz und sozialer Infrastruktur ermöglicht Hilfe von der akuten Gefahrenabwehr bis zur langfristigen Versorgung von Menschen.

Haupt- und Ehrenamt gemeinsam

Zentral für das Komplexe Hilfeleistungssystem ist die konsequente Ausrichtung der Kernkompetenzen des DRK. Dazu zählen unter anderem der Sanitätsdienst, der Betreuungsdienst, die Wasserrettung, die ambulante und stationäre Krankenversorgung, die Pflege in ihren unterschiedlichen Ausprägungen sowie die psychosoziale Unterstützung – mit dem Ziel, die gesundheitliche und soziale Versorgung der Bevölkerung umfassend sicherzustellen, sowohl vor, während als auch nach Krisenlagen.

Dabei greift das System ergänzend auf weitere Kompetenzbereiche im DRK zurück, etwa auf Selbsthilfe- und Präventionsangebote, Leistungen für besondere Zielgruppen wie Kinder und Geflüchtete sowie auf Fähigkeiten in Logistik und Technik.

Die flächendeckende Präsenz des DRK sowie das starke Netzwerk über Verbandsgrenzen hinweg ermöglichen es dem DRK, in komplexen Lagen schnell und wirksam zu handeln und bei Bedarf zusätzliche Unterstützung reibungslos zu mobilisieren.

Das Komplexe Hilfeleistungssystem in der Praxis

Wie erfolgreich dieses System in der Praxis in Brandenburg funktioniert, zeigen die Erfahrungen der vergangenen Jahre:

„Während der großen Fluchtbewegung 2015/2016 stellten wir als DRK in Brandenburg mit Ehren- und Hauptamt innerhalb kürzester Zeit Notunterkünfte bereit und versorgten ankommende Geflüchtete. Wo unsere eigenen Ressourcen vor Ort an Grenzen stießen, konnten wir schnell und unkompliziert Unterstützung innerhalb des großen Rotkreuz-Netzwerkes anfordern“, sagt Lee-J. Schumann, Leiter Krisenmanagement beim DRK-Landesverband Brandenburg e.V.

Zum Beispiel unterstützte der DRK-Landesverband Hessen e.V. mit speziellen Containern bei der Trinkwasserversorgung in der Zeltstadt in Doberlug-Kirchhain, die als Außenstelle der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Brandenburg in Eisenhüttenstadt nicht sofort über die notwendige Infrastruktur verfügte. Die Schwesternschaft des Berliner Roten Kreuzes wurde zudem für die medizinische Versorgung von Geflüchteten in der Notunterkunft Frankfurt (Oder) einbezogen.

In der Corona-Pandemie passte das DRK in Brandenburg bestehende Strukturen an die akute Krise an: Fahrdienste, etwa im DRK-Kreisverband Potsdam/Zauch-Belzig e.V., übernahmen die Verteilung von Schutzausrüstung für Arztpraxen; der DRK-Kreisverband Gransee Ostprignitz-Ruppin e.V. wandelte in Kooperation mit Behörden und lokalen Partnern einen ehemaligen Linienbus in einen ehrenamtlich betriebenen Impfbus um; die DRK Flüchtlingshilfe Brandenburg betrieb Impfzentren.

Lee-J. Schumann: „Das Team war erfahren darin, schnell und in guter Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden effiziente Strukturen zur Versorgung vieler Menschen zum Laufen zu bringen. Nur die Art der Versorgung war eben eine andere.“

Der DRK-Landesverband Brandenburg e.V. entwickelte mobile Impfangebote und übte den Ablauf vorab in einer Pflegeeinrichtung des DRK-Kreisverbands Flämings-Spreewald e.V. „Das ist ein Paradebeispiel dafür, wie wir dank eigener Pflegeeinrichtung mit entsprechendem Fachpersonal für solche Szenarien Prozesse an der Schnittstelle zwischen Krise und Pflege schnell erarbeiten und anpassen können“, sagt Lee-J. Schumann.

Resilienz beginnt vor der Krise

Bevölkerungsschutz beginnt jedoch vor der Krise. Christian Hörl, Vorstandsvorsitzender des DRK-Landesverband Brandenburg e.V., betont: „So leistungsfähig das DRK auch ist: Unsere Einsatzkräfte können im Ernstfall nicht überall gleichzeitig sein. Umso wichtiger ist es, dass Menschen wissen, wie sie sich und anderen zunächst selbst helfen können. Angesichts zunehmender Krisen ist die Stärkung der Selbsthilfe- und Vorsorgekompetenzen für eine widerstandsfähige Bevölkerung eine unserer zentralen Aufgaben. Dieses Element des Komplexen Hilfeleistungssystems ist so wichtig wie nie.“

Das DRK in Brandenburg setzt hier vor allem auf den Ausbau von Erste-Hilfe-Kursen mit Selbstschutzinhalten, die Menschen befähigen, in Notlagen schnell und richtig zu handeln. Auch die Forderung nach flächendeckendem Erste-Hilfe-Unterricht an Schulen und die Förderung des Schulsanitätsdienstes zielen in diese Richtung: Die Fähigkeit, routiniert Hilfe leisten zu können, soll früh vermittelt werden.

Der Anspruch des Roten Kreuzes ist es sowohl Helfer in der akuten Krise zu sein als auch als verlässlicher Partner die Krisenfestigkeit der Bevölkerung zu stärken. Damit das gelingt, ist das DRK auf Unterstützung angewiesen – durch Ehrenamtliche, Fördermitglieder, Spenden und öffentliche Finanzierung. Denn: Jede Form der Unterstützung trägt dazu bei, die Strukturen des Bevölkerungsschutzes zu sichern und weiterzuentwickeln.

  • Ausführliche Informationen zum Komplexen Hilfeleistungssystem gibt es hier.

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