Menschlichkeit Wofür wir stehen

Corona und die Feiertage

Prof. Dr. Karin Weiss

Dieses Jahr ist alles anders

Die Einschränkungen im alltäglichen Leben aufgrund der Corona-Pandemie haben unser Leben verändert. Wir sind müde geworden und freuen uns auf die kommenden Feiertage.

Normalerweise gehören Weihnachtsmarktbesuche und Glühwein als Ritual in diesen Tagen dazu, ebenso wie – und vor allem – die Familienbesuche. Man trifft sich, auch wenn man sich sonst kaum trifft. Man lädt andere ein, um sich wenigstens in dieser Zeit an die gemeinsamen Dinge zu erinnern. Die Feiertagsbesuche sind eine soziale Norm, niemand soll alleine sein an den Feiertagen.

Das Gemeinsame in dieser Zeit ist ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Aber diesmal ist alles anders. Statt sozialen Kontakten nun sozialer Abstand. Statt gemeinsamen Weihnachtsmarktbesuchen ein schneller Glühwein auf der Straße, wenn möglich bitte alleine. Statt Familienfest an den Feiertagen Abstand halten und ein Lockdown mit Besuchsverboten.

„Das Gemeinsame in dieser Zeit ist ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Aber diesmal ist alles anders. Statt sozialen Kontakten nun sozialer Abstand.“

Vizepräsidentin Prof. Dr. Karin Weiss

Wie das, was immer richtig war, auf einmal genau das Falsche ist

Es fällt uns allen schwer mit diesen neuen Einschränkungen zurecht zu kommen. Sie widersprechen zentral dem, was wir gewohnt sind und was wir auch als besonderen Wert in dieser Jahreszeit seit frühester Kindheit kennen. Niemanden alleine lassen, andere einbeziehen, andere besuchen, Einsamkeit verhindern, den sozialen Zusammenhalt durch lebendige Kontakte vor Ort leben. Das ist Teil von uns geworden. Und genau das ist jetzt das Falsche. Das ist schwer zu akzeptieren. Im Kopf vielleicht ja, aber emotional fühlt man sich schlecht dabei. Und was sich so falsch anfühlt, kann doch nicht richtig sein?

Die Forderung auf Kontakte zu verzichten, ist deshalb nicht einfach umzusetzen. Selbst wenn man eigentlich jedes Jahr ein bisschen durch die Verwandtenbesuche genervt war, fehlen sie plötzlich, fühlt sich das alles falsch an. Aber genau das, was sich jetzt falsch anfühlt, ist jetzt das einzig Richtige. Richtig und falsch sind vertauscht in diesem Jahr. Sozialer Zusammenhalt heißt jetzt Kontaktreduzierung! Besuche können töten in dieser Zeit, auch wenn sie noch so gut gemeint sind. Jeder zusätzliche Besuch, jeder zusätzliche Kontakt ist ein zusätzliches Risiko. Für einen selbst aber vor allem auch für andere.

„Sozialer Zusammenhalt heißt jetzt Kontaktreduzierung! Besuche können töten in dieser Zeit, auch wenn sie noch so gut gemeint sind. Jeder zusätzliche Besuch, jeder zusätzliche Kontakt ist ein zusätzliches Risiko. Für einen selbst aber vor allem auch für andere.“

Vizepräsidentin Prof. Dr. Karin Weiss

Sozialen Zusammenhalt in diesem Jahr anders leben

Es gibt viele Wege auszudrücken, dass man an den anderen denkt. Gewohnte soziale Kontakte vor Ort können und müssen durch andere Formen ersetzt werden. Das rettet Leben!

Man kann auch mit Kindern und Älteren Videotreffen vereinbaren. Man kann auch gemeinsam Glühwein trinken – per Video und mit Abstand.  Man kann telefonieren, und das auch mehrfach. Man kann Karten und Briefe schreiben, vielleicht auch so, dass es täglich etwas gibt für den, den man dieses Jahr nicht treffen kann. Man kann vor das Haus gehen und sich über den Balkon unterhalten. Man kann Blumen schicken oder etwas vor der Tür ablegen, oder auch mal was liefern lassen. Und die Post gibt es auch. Natürlich ist das kein völliger Ersatz. Natürlich bedeutet das Verzicht.

Aber es schützt den anderen. Und dieser Schutz ist das beste und wichtigste Geschenk in diesem Jahr.

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