Wasserretterinnen am Helenesee

Die DRK-Wasserwachten hatten diesen Winter mit einigen pandemiebedingten Hindernissen zu kämpfen. Trotzdem sieht die Landesleitung der bevorstehenden Badesaison positiv entgegen.

Mit Freude blicken die Deutschen auf den bevorstehenden Sommer und die Badesaison 2021.

Wachsende Freiheiten erhofft man sich, mehr frische Luft und weniger Masken. Der Winter war nicht einfach. Das mussten auch die DRK-Wasserwachten erfahren. Als im Spätherbst letzten Jahres die Coronazahlen rasant stiegen, standen die Ortgruppen plötzlich vor einem großen Problem: Die Schwimmhallen mussten schließen. Die Aus-und Weiterbildungen für Rettungsschwimmer, inklusive den Katastrophenschutzeinheiten, hatten plötzlich keinen Austragungsort mehr.

„Die Herausforderung bestand nicht nur in den geringen bis nicht existenten Trainingsmöglichkeiten, sondern auch darin, dass keine Angebote mehr geschaffen werden konnten und die Mitglieder sich andere Betätigungsfelder suchen“, erläutert Sven Kobelt, Landesleiter der DRK-Wasserwachten.

Während die Ausbildungen im Rettungsdienst oder bei der Feuerwehr zur Erhaltung der Einsatzfähigkeit gestattet wurden, blieb diese Sonderregelung den Wasserwachten verwehrt. Nachdem klar wurde, dass die Schwimmbäder voraussichtlich über längere Zeit geschlossen bleiben würden, trat der DRK-Landesverband Brandenburg gemeinsam mit den Kreisverbänden mit den zuständigen Ministerien in Kontakt. Wenig später wurde die Genehmigung ebenfalls auf die Wasserwachten übertragen.

Dennoch gibt es nicht in allen Ortsgruppen die Möglichkeit, in einer Schwimmhalle zu trainieren. Viele konnten kaum neue Rettungsschwimmer ausbilden.

Wasserwachten sind einsatzbereit

Trotz alledem sind die Wasserwachten bereit und werden zur Badesaison einsatzfähig sein, so Sven Kobelt. Netzwerken und Teambuilding sind im Sommer dringend notwendig, um den Wasserwachten nach der Winterpause wieder Leben einzuhauchen. Das dürfte angesichts des bevorstehenden Sommers allerdings kein Problem sein. Aufgrund der Pandemie treibt es sowohl die Brandenburger als auch deutlich mehr Berliner an die umliegenden Seen. Dieser Zuwachs wird sich laut Sven Kobelt auch in der kommenden Saison abzeichnen.

Besonders gut konnte man diesen Trend am Helenesee bei Frankfurt (Oder) beobachten. Berühmt für das Helene Beach Festival – welches sowohl im letzten als auch in diesem Jahr aufgrund der Pandemie abgesagt werden musste – lockt sein weißer Strand auch ohne Techno-Bässe jährlich tausende von Menschen an.

Zuständig für die Absicherung ist hier die DRK-Wasserwacht Frankfurt (Oder). Auch Ortsgruppenleiter Danny Knispel erwartet diesen Sommer ein ähnliches Szenario wie im Jahr 2020: noch mehr Besucher als gewohnt, viele inoffizielle Badestellen und häufigere Einsätze. Auch dieses Jahr wird er mit der DRK-Bereitschaft vor Ort zusammenarbeiten. In der Hochsaison sind daher zwei bis vier Sanitäter am Helenesee im Dienst, um die Wasserwacht zu unterstützen.

Alle Notfälle am Helenesee werden über die Notrufnummer 112 an die Wasserwacht weitergeleitet. Im Ernstfall wird der Rettungsdienst gerufen.

„Der Rettungsdienst wird in solchen Fällen oft parallel benachrichtigt. Die Kollegen brauchen allerdings bis zu 15 Minuten Fahrzeit zum Helenesee. Wir haben den Zeitvorteil und fangen daher schon einmal an zu arbeiten, bis der Rettungsdienst kommt und übernimmt“, erklärt Danny Knispel.

Stand-Up-Paddles zur Wasserrettung am Helenesee

Für die Wasserrettung setzen er und seine Kameraden neuerdings auch Stand-Up-Paddles (SUPs) ein. Das Boot ist zwischen vielen Menschen im Wasser deutlich unbeweglicher. Zudem ist das SUP ein gutes Rettungsmittel, da die zu rettende Person auf das Brett hinaufgezogen und so leichter an Land gebracht werden kann.

Danny Knispel bestätigt, dass vielen Ortgruppen der Schwung in die Saison fehlt. Er selbst hatte Glück: Die Ortsgruppe Frankfurt (Oder) ist eine der wenigen, die über den Winter ihre Rettungsschwimmer kontinuierlich ausbilden konnte. Grund dafür ist die enge Zusammenarbeit mit der Stadt Frankfurt (Oder). Seit Jahren steht die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes hier als offizieller Dienstleister für die Wasserrettung zur Verfügung. Nach der Einreichung und Prüfung des Hygienekonzepts gab es eine schnelle, unkomplizierte Freigabe zum Wintertraining in der Schwimmhalle.

Übung mit einem Rettungsbrett auf dem Helenesee

„Es ist ein gutes Geben und Nehmen. Uns werden Ausbildungen und Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, sogar Taucherflaschen haben wir schon von der Stadt bekommen“, sagt Danny Knispel.

Im Gegenzug ist die Wasserwacht nicht nur für die Absicherung des Helenesees zuständig, sondern auch im Katastrophenschutz stark involviert. Hier unterstützen sie in Form der Schnelleinsatzgruppe (SEG) Wassergefahren, die sich unter anderem aus Bootsbesatzungen, Wasserrettern und Rettungstauchern zusammensetzt, welche als einzelne Komponenten oder aber auch als komplette Einheit zum Einsatz kommen. Insbesondere die Bootsbesatzungen trainieren auf der Oder und kommen auch vorrangig dort zum Einsatz.

Hier unterstützen sie die Feuerwehr bei der Suche nach vermissten Personen im Wasser oder bei Veranstaltungsabsicherungen. Die dafür notwendige Ausrüstung wird unter anderem auch von der Stadt zur Verfügung gestellt.

„Wenn die Feuerwehr einen Einsatz reinbekommt, bringen sie die Technik mit und wir führen den Einsatz gemeinsam mit ihnen durch“, erzählt Danny Knispel, „beispielsweise stehen wir aufgrund der aktuellen Schweinepest auch zur Bergung von Kadavern von im Schilf liegenden Tieren zur Verfügung.“

Neue Mitglieder durch Ausbildungsangebote

Es fehlen der Wasserwacht jedoch noch ein paar helfende Hände, besonders in der Katastrophenschutzeinheit. Die Ausbildung zum Rettungsschwimmer ist hier nur der Anfang. Wer Rettungstaucher oder Bootsführer werden möchte, muss sich beweisen und mehrere Ausbildungen erfolgreich absolvieren. Das nimmt viel Zeit und Kraft in Anspruch, besonders, da jegliche Tätigkeit bei der Wasserwacht rein ehrenamtlich ist.

Wie also gewinnt man neue helfende Hände? „Der technisch-sportliche Aspekt ist hier von Vorteil. Einen Taucher-oder Bootsführerschein zu machen kostet einiges an Geld. Bei uns sind diese Ausbildungen integriert und kostenfrei. Eine abgeschlossene Ausbildung zum Rettungstaucher oder Bootsführer kann auch für privates Tauchen oder Bootfahren genutzt werden.“, antwortet Danny Knispel auf diese Frage.

Seiner Erfahrung nach bleiben viele bei der Wasserwacht auch nachdem sie den gewünschten Schein erhalten haben. Das kameradschaftliche Miteinander in ehrenamtlicher Sache scheint – trotz Zeit-und Kraftaufwand – ein entscheidender Faktor zu sein. Voraussetzung hierfür ist allerdings auch, dass den Ehrenamtlichen mit Respekt begegnet wird, betont Sven Kobelt.

„Viele vergessen schnell, dass die Helfer für das, was sie dort tun, nicht bezahlt werden und ihre Freizeit für ihre ehrenamtliche Tätigkeit nutzen. Noch weniger sind sich bewusst, wie viel Arbeit hinter den Kulissen zu bewältigen ist“, sagt er.

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