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Rotkreuzler aus Brandenburg erzählt vom Einsatz im Hochwassergebiet: „Bilder, die man nie vergisst“

EinsatzDRKHochwassergebiet

Christopher Kell ist Leiter der DRK-Bereitschaft Doberlug-Kirchhain und einer der Einsatzkräfte gewesen, die im August 2021 im Ahrtal ehrenamtlich Hilfe geleistet haben. Im Gespräch erzählt der 34-Jährige, wie es dazu gekommen ist, wie er die Situation vor Ort erlebt und was ihn besonders beeindruckt hat.

Herr Kell, Sie waren im Ahrtal im Rahmen des Katastrophenschutzes im Einsatz. War es für Sie selbstverständlich, in den Hochwassergebieten zu helfen?

Christopher Kell: Auf jeden Fall. Für mich stand bereits bei der ersten Anfrage aus dem Hochwassergebiet fest, dass ich definitiv vor Ort helfen möchte. Nicht nur, weil man als Bereitschaftsleiter auch eine Vorbildfunktion hat, sondern weil ich es persönlich wollte.

Was sagten ihr Arbeitgeber und ihre Familie dazu?

Christopher Kell: Beide wussten, dass sie mich nicht umstimmen könnten. Im Ernst: Ich hatte großes Verständnis sowohl von meinem Arbeitgeber, der mich für die fünf Tage Einsatz freistellte als auch von meiner Familie. Obwohl es im Sommer bei der Transportgesellschaft, bei der ich als Kraftfahrer arbeite, einen hohen Krankenstand und urlaubsbedingten Ausfall gab, zögerte mein Chef nicht.

Sie kannten die Bilder vom Hochwassergebiet aus den Medien. Wie war es dann wirklich vor Ort?

Christopher Kell: Das kann man fast nicht beschreiben. Mein erster Gedanke war: um Himmels Willen. Ich war überwältigt, welche Kraft Wasser haben und welche Zerstörung es anrichten kann. Wir waren in mehreren Dörfern eingesetzt – und es wurde von Dorf zu Dorf schlimmer. In Mayschoß gab es kaum noch ein Haus, was nicht beschädigt war. Erschrocken waren wir zum Beispiel, als wir vor einem großen Hotel standen, das komplett von den Wassermassen vernichtet wurde. Es war nur noch ein großer Steinhaufen. Wenn man bedenkt, dass in diesem Hotel die Menschen ihren Urlaub im schönen Ahrtal verbrachten, dann macht einen dieser Anblick sehr traurig. Ein Kamerad traf es mit seinen Worten ganz gut: Ich fühle mich fast schon wie im Krieg. Es fehlen nur noch die Einschusslöcher.

Was waren konkret ihre Aufgaben?

Christopher Kell: Wir waren für die medizinische Absicherung der Einsatzkräfte der Feuerwehr, aber auch für die Bevölkerung zuständig. Einen Feuerwehrmann mussten wir beispielsweise aus dem Dienst nehmen, da er völlig entkräftet war.

Gab es trotz allem auch positive Eindrücke?

Christopher Kell: Ja, die gab es. Wir erlebten einen großen Zusammenhalt der Menschen vor Ort. Es wurden zum Beispiel die Pfandflaschen der Einsatzkräfte gesammelt und der Erlös aus dem Pfandgeld ging an den Wiederaufbau einer Kita mit Spielplatz. Sehr rührend waren auch die Kinder von Rech, die auf uns zukamen und um unsere Namensschilder für eine Erinnerungstafel baten. Die Dorfbewohner brachten uns außerdem aus Dankbarkeit selbst gebackenen Kuchen, Eis und Getränke.

  • Die Arbeit in den Hochwassergebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz dauert an. Auch Rotkreuzlerinnen und Rotkreuzler sind weiterhin vor Ort und helfen, für die Menschen ein neues Lebensumfeld zu schaffen. Auch Betroffene, die zum Teil alles in den Fluten verloren haben, benötigen weiterhin Unterstützung und sind für jede Spende dankbar.

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