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Plötzlich in Potsdam: Geflüchtete aus der Ukraine erhalten Hilfe bei der DRK-Migrationsberatung

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Wie kann ich mich für einen Sprachkurs anmelden? Wo muss ich Kindergeld beantragen? Und warum bekomme ich plötzlich weniger Geld – ich verstehe den Bescheid vom Amt nicht. Zu solchen und vielen weiteren Fragen berät DRK-Migrationsberaterin Laura C. Menschen, die neu nach Deutschland gekommen sind. Aktuell kommen auch viele Menschen aus der Ukraine zu ihr in die Beratungsstelle nach Potsdam. Was diese Menschen besonders bewegt und wie sich der Alltag für die DRK-Migrationsberaterin verändert hat, verrät sie im Gespräch.

Der Beratungsbedarf kam in Wellen: Der Krieg in der Ukraine und seine Folgen machen sich auch bei der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) der DRK-Flüchtlingshilfe Brandenburg bemerkbar. Die erste Welle kam mit Beginn des Krieges Ende Februar, sagt Laura C. von der MBE-Beratungsstelle in Potsdam. Die Ratsuchenden waren zunächst jedoch keine Geflüchteten, sondern Menschen, die helfen wollten – Privatpersonen wie auch Unternehmen. Allein: Es hatten sich zu dem Zeitpunkt noch gar keine Geflüchteten in der DRK-Migrationsberatungsstelle gemeldet.

Diese Anfragen kamen dann in einer zweiten Welle, als die ersten Geflüchteten Potsdam erreichten. Größtenteils waren dies bislang zum einen Frauen und Kinder mit oder ohne ukrainische Staatsbürgerschaft, oft gut ausgebildet und mit guten Englischkenntnissen; zum anderen ältere Menschen, deren erwachsene Kinder in Potsdam leben und die darum dort bleiben möchten. Zur letzteren Gruppe zählen auch ukrainische Männer über 60, denen die Ausreise im Gegensatz zu jüngeren Männern mit ukrainischer Staatsbürgerschaft erlaubt ist.

Wichtigste Info für Ukraine-Flüchtlinge: Asylantrag ist vorerst nicht notwendig

Die wichtigste Information, die Geflüchtete aus der Ukraine in der DRK-Migrationsberatungsstelle aktuell erhalten: Nach derzeitigem Stand dürfen sie bis einschließlich 31. August 2022 visafrei in Deutschland bleiben. Das heißt, ein Asylantrag ist bis dahin nicht notwendig. Spätestens dann müssen sie sich aber bei der Ausländerbehörde melden, sofern sie weiter in Deutschland bleiben möchten. Dies gilt für alle Menschen, die wegen des Krieges aus der Ukraine flüchten mussten – unabhängig davon, ob sie die ukrainische Staatsbürgerschaft besitzen oder nicht.

Wenn Menschen aus der Ukraine zu ihr in die Beratungsstelle kommen, klärt Laura C. zunächst, ob sie schon eine Unterkunft haben und, falls nicht, wo sie unterkommen können. Die nächste Frage ist dann, ob es ihnen gesundheitlich gut geht und ob sie Geld für die Grundversorgung zur Verfügung haben. Ist dies nicht der Fall, verweist die DRK-Migrationsberaterin die Geflüchteten ans Sozialamt, wo sie Sozialleistungen beantragen können.

Ab Juni gibt’s Geld vom Jobcenter

Dies wird sich bald ändern: Denn Geflüchtete aus der Ukraine, die die Voraussetzungen erfüllen und eine Aufenthaltserlaubnis nach § 24 AufenthG erteilt bekommen, dürfen arbeiten und wechseln voraussichtlich ab dem 1. Juni 2022 den Rechtskreis für die finanzielle Unterstützung. Konkret heißt das: Geld erhalten sie dann nicht mehr nach dem Asylbewerbergesetz vom Sozialamt, sondern sie haben nach dem zweiten Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB II) Anspruch auf Arbeitslosengeld II, also Hartz IV – sofern sie keine Arbeit finden.

Der Beratungsbedarf für Geflüchtete aus der Ukraine wird sich daher vermutlich bald vermehrt um Fragen nach Sprach- und Integrationskursen oder Anerkennung von Berufsabschlüssen drehen. Und um die Frage: Was passiert mit sogenannten Drittstaatsangehörigen? Denn noch ist unklar, wie die aktuelle aufenthaltsrechtliche Regelung für Menschen umgesetzt wird, die weder die ukrainische Staatsbürgerschaft besitzen noch in der Ukraine eine Schutzberechtigung erhalten hatten.

Dynamische Situation ist herausfordernd für DRK-Migrationsberatung

Die dynamische Entwicklung der Situation ist eine besondere Herausforderung für Migrationsberaterinnen wie Laura C. Sie muss sich ständig über neue Regelungen und Gesetze informieren, um auf dem Laufenden zu bleiben und um den Ratsuchenden, die sich bei ihr melden, die korrekten Informationen weiterzugeben. „Manches, was vor zwei Wochen galt, gilt jetzt nicht mehr“, sagt sie. Dies sorgt mitunter für Verwirrung, wenn Beratungsstellen, ehrenamtliche Helfende oder Geflüchtete, die schon länger in Deutschland sind, nicht mehr aktuelle Informationen an die Neuankömmlinge weitergeben.

Profesionelle Migrationsberatung bietet hohe Fachkompetenz

Nicht zuletzt deshalb ist die MBE so wichtig. „Das öffentliche Interesse an ehrenamtlichem Engagement ist derzeit groß, und das ist auch gut so“, sagt Laura C. Aber: Der professionellen Migrationsberatung, wie sie das DRK anbietet, fällt eine besondere Verantwortung zu. Als hauptberufliche Migrationsberaterin verfügt Laura C. über die notwendige fachliche Kompetenz, weiß sich zu vernetzen und kann sich zielgerichtet fortbilden lassen. Dann wiederum muss sie den Ratsuchenden immer wieder klarmachen: „Ich bin keine Rechtsanwältin und auch keine Sekretärin.“ Sie kann ihre Klientinnen und Klienten nicht zu jedem Termin, nicht bei jeder Kommunikation mit Behörden begleiten. Auch Rechtsberatung fällt nicht in ihren Aufgabenbereich. Ihr Job sei es, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, „die Menschen so zu begleiten, dass sie mich irgendwann nicht mehr brauchen“.

Nach wie vor Beratungsbedarf für Menschen aus anderen Ländern

Und der Personenkreis der Ratsuchenden ist groß und vielfältig, genauso wie das DRK-Beratungsangebot: Das Hauptaugenmerk mag derzeit auf Geflüchteten aus der Ukraine liegen. Dennoch berät Laura C. auch weiter die Menschen, die schon vor der akuten Krise die DRK-Migrationsberatung aufgesucht haben. Die drei größten Gruppen sind Menschen aus Syrien, Menschen aus afrikanischen Staaten, hauptsächlich Kamerun, Kenia und Nigeria, sowie Menschen aus der Slowakei, aus Tschechien und aus Afghanistan. „Nur weil neue Anfragen dazukommen, heißt das nicht, dass Menschen, die schon etwas länger in Deutschland leben, keine Fragen mehr haben“, sagt sie.

  • Einen Erfahrungsbericht zur Arbeit in der Migrationsberatung finden Sie hier.
  • Mehr Informationen zur DRK-Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer gibt’s hier.
  • Mehr Informationen zur DRK-Flüchtlingshilfe Brandenburg gibt’s hier.

1 Kommentar zu “Plötzlich in Potsdam: Geflüchtete aus der Ukraine erhalten Hilfe bei der DRK-Migrationsberatung

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