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„Tag des Flüchtlings“ – DRK-Suchdienst bringt Familien zusammen

Morgen ist „Tag des Flüchtlings“. Genau wie am „Weltflüchtlingstag“, der jedes Jahr am 20. Juni auf die Situation Geflüchteter weltweit aufmerksam macht, geht es auch an diesem Aktionstag darum, Solidarität mit Geflüchteten zu zeigen. Anlässlich des „Tag des Flüchtlings“ berichtet Stefanie Lewis, Leiterin des DRK-Suchdienstes im DRK-Landesverband Brandenburg e.V., wie das Rote Kreuz Familien dabei unterstützt, nach der Flucht wieder zueinander zu finden.

2021 war für den DRK-Suchdienst in Brandenburg ein sehr erfreuliches Jahr. Sie haben es geschafft, gleich zwei Familien wieder zusammenzubringen. Erzählen Sie uns von diesem Erfolg.

Wir haben es in diesem Jahr geschafft, mit dem DRK-Suchdienst Brandenburg bereits zwei Menschen zu helfen, die ihre Angehörigen auf der Flucht verloren haben.

Beim ersten Fall handelt es sich um einen Vater mit seinem kleinen Sohn. Er war während der Flucht von seiner Frau und den beiden kleinen Kindern im Grenzgebiet Türkei/Iran getrennt worden.

Der Mann stellte bei uns 2017 einen Suchantrag und ließ sein Foto auf der Trace-the-Face Website (www.tracetheface.org) veröffentlichen. Die Frau erkannte ihren Ehemann im Juli 2021 auf der Trace-the-Face Website und konnte so über das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) Kontakt zu uns in Deutschland aufnehmen. Nach vier Jahren der Trennung und quälender Ungewissheit darüber, was mit dem jeweils anderen Familienteil passiert sein könnte, konnten sie sich innerhalb von 24 Stunden nach Erkennen des Fotos in einem Videoanruf „wiedersehen“.

Mutter und Sohn, Vater und Kinder, Ehefrau und Ehemann, Bruder und Schwester wurden so wieder verbunden durch die Arbeit des weltweiten Rotkreuz-Suchdienstnetzwerks.

Bei dem zweiten Fall handelt es sich um einen Minderjährigen, der 2015 in seinem Heimatort von Soldaten mitgenommen wurde. Bei seiner Rückkehr war sein Haus zerstört. Die restliche Familie war geflohen. Wohin wusste er nicht.

2019 erfuhr er von einem Bekannten, dass sein Vater in Deutschland sein soll. Also machte auch er sich hierher auf den Weg. Er gab 2020 eine Suchanfrage bei uns auf und wir konnten innerhalb eines Monats den Aufenthaltsort über die deutschen Behörden ermitteln. Die Eltern wurden gefragt, ob sie gefunden werden wollen. Das machen wir immer, um sicherzustellen, dass niemand jemanden finden kann, der das nicht möchte. Sie waren sehr glücklich und wollten ihren Sohn natürlich sofort kontaktieren.

Warum sind diese Fälle so besonders? Wie lange dauert es normalerweise, bis Sie und Ihr Team den Kontakt zu vermissten Familienmitgliedern herstellen können bzw. wie oft sind Suchen erfolgreich?

Jemanden zu finden, ist so besonders, weil man dazu beiträgt, das Recht auf Familie zu wahren. Weil man entsetzliche Ungewissheit beenden kann und so dazu beiträgt, dass Menschen wieder ein Leben ohne Fragen nach dem Verbleib ihrer Liebsten leben können.

Wie schon diese zwei Schicksale zeigen, ist es sehr unterschiedlich, wie schnell der Kontakt wieder hergestellt werden kann. Das kommt darauf an, in welchem Land oder Ländern wir suchen, wie genau die Informationen sind, die vorliegen, ob die Gesuchten irgendwo mal offiziell registriert wurden, auf welche Behörden wir angewiesen sind.

In Zusammenarbeit mit dem IKRK ging die Übermittlung sehr schnell, da können wir auf das weltweite Suchdienstnetzwerk zugreifen. Dort arbeiten alle nach den gleichen Regeln, wissen, welche Informationen benötigt werden und wir beschäftigen uns ja mit nichts anderem. Wenn wir auf die Auskunft von Behörden angewiesen sind, dauert es meistens länger.

In diesen beiden Fällen bestand der Kontaktverlust vier und fünf Jahre. Oft ist auch schon mehr Zeit verstrichen seit dem letzten Kontakt. Zwischen der Aufnahme bei uns und dem Finden liegen meist Jahre. Leider suchen wir mehr Menschen als wir finden. Aber besonders durch Trace-the-Face sind die Chancen gestiegen, dass sich Menschen wiederfinden.

Wenn man überlegt, dass die Welt praktisch unser Heuhaufen ist, in dem wir die Nadel suchen, dann ist es jedes Mal ein kleines Wunder, wenn es funktioniert.

Welchen Rat bzw. welche Tipps geben Sie Familien, um auch in Krisen und kriegerischen Konflikten nicht den Kontakt zu ihren Familienmitgliedern zu verlieren?

Wir als DRK-Suchdienst raten allen Menschen dazu, drei einfache, aber sehr wichtige Tipps zu befolgen:

  1. Lernen Sie die Telefonnummer Ihrer Angehörigen, die sich nicht auf der Flucht befinden, auswendig.
  2. Lernen Sie Email-Adressen Ihrer Angehörigen auswendig.
  3. Wenn möglich, stellen Sie sicher, dass Kinder wissen, wie sie selbst heißen, woher sie kommen und wie die Namen der Eltern sind.

Diese Hinweise zu beherzigen, hilft Familien dabei, auch in Ausnahmesituationen nicht den Kontakt zueinander zu verlieren.

Und sollte es doch einmal dazu kommen, wenden Sie sich an die Rot-Kreuz oder Rot-Halbmond-Gesellschaft in Ihrem Land oder das IKRK. Die Suche nach vermissten Angehörigen ist satzungsgemäße Aufgabe, der sich die gesamte Bewegung verschrieben hat. Es ist unser Auftrag.

Mehr Informationen zur Arbeit des DRK-Suchdienstes:

www.drk-suchdienst.de

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