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Gemeinsam Krisen meistern – Forderungen für einen starken gesundheitlichen Bevölkerungsschutz

Seit zwei Jahren steht das Rote Kreuz in der ersten Reihe der Pandemiebewältigung. Von der Beschaffung von Schutzausrüstung für die soziale Infrastruktur, der Übernahme von Patientenverlegungsfahrten, bis hin zum Aufbau und Betrieb von Impf- und Testzentren hat das DRK maßgeblich zur Entlastung des Regelsystems im Gesundheitswesen beigetragen. Doch welche Strukturen benötigen wir im gesundheitlichen Bevölkerungsschutz, um in Zukunft Krisenlagen noch besser begegnen zu können?

DRK – vereinte Expertise aus Hilfsorganisation und Wohlfahrtsverband

Als größte der anerkannten Hilfsorganisationen und gleichzeitig Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege übernimmt das Rote Kreuz eine einzigartige Doppelrolle: Als Hilfsorganisation war das DRK im Rahmen des gesundheitlichen Bevölkerungsschutzes seit Beginn der Pandemie intensiv in die Konzeption und den Aufbau von Test- und Impfangeboten eingebunden.

Zum Schutz sogenannter besonders vulnerablen Gruppen – also Menschen, die besonders gefährdet sind, einen schweren Infektionsverlauf zu erleiden – baute das DRK mit Unterstützung der anderen Hilfsorganisationen Anfang 2021 innerhalb kürzester Zeit 33 mobile Impfteams im Land Brandenburg auf. Diese Teams ermöglichten ein schnelles und niedrigschwelligen Impfangebot für Menschen in sozialen Einrichtungen der Pflege und Eingliederungshilfe sowie in Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete.

Gleichzeitig stand und steht das DRK als Wohlfahrtsverband vor der Herausforderung, seine eigenen Einrichtungen durch die pandemische Lage zu begleiten und allen Bewohnenden und Mitarbeitenden bestmöglichen Schutz zu ermöglichen.

Nach zwei Jahren dieses doppelten Einsatzes kann das Rote Kreuz mit Stolz auf die geleisteten Einsätze blicken. Die vereinte Expertise aus Wohlfahrt und Bevölkerungsschutz macht das DRK zu einem starken Partner in der Pandemiebewältigung

Doch die Einsätze der vergangenen beiden Jahre haben auch gezeigt, dass die derzeitigen Strukturen im gesundheitlichen Bevölkerungsschutz nicht ausreichen, um Krisenlagen wie der Corona-Pandemie erfolgreich zu begegnen. Basierend auf den Erfahrungen der Einsätze in den vergangenen zwei Jahren fordert das DRK daher deutlich eine bessere Vorbereitung bei allen Akteuren im gesundheitlichen Bevölkerungsschutz: 

1. Stärkung der Strukturen des gesundheitlichen Bevölkerungsschutzes 

Die Lage hat uns gezeigt, dass das Gesundheitssystem in seiner derzeitigen Systematik nicht geeignet ist, um langfristige Krisenlagen zu bewältigen. Das Regelsystem kann aufgrund seiner wirtschaftlichen Ausgestaltung nur kurze Spitzenbedarfe decken. 

So wäre z.B. die Impfstrategie im ersten Halbjahr 2021 ohne den großflächigen Aufbau von Impfzentren und -teams nicht denkbar gewesen. Gleichzeitig ist bei einem hohen Aufkommen von Patienten der Regelrettungsdienst schnell an seine Belastungsgrenze gekommen. Auch an anderen Stellen des Regelsystems kam es zu Problemen in der Sicherstellung der Versorgung, so z.B. in Krankenhäusern.

Zukünftig sollten daher neben dem Regelsystem verstärkt Strukturen aufgebaut werden, die mit Unterstützung der Bevölkerung (z.B. durch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer oder Spontanhelfende) in der Lage sind, eine Rückfallebene im gesundheitlichen Bevölkerungsschutz zu bilden.

Hierbei macht es Sinn, auf die bereits vorhandenen Strukturen der Hilfsorganisationen zurückzugreifen und diese gezielt zu stärken. So könnten u.a. bereits aktive Einsatzkräfte und Helferinnen und Helfer eine Zusatzausbildung als ehrenamtliche Pflegehilfskraft erhalten.

Zusätzlich wäre es sinnvoll, auch im Regelrettungsdienst landesweit wieder eine dauerhafte Einbindung von Hilfsorganisationen anzustreben. Zu überlegen wäre, ob ggf. auch verstärkt Strukturen des Katastrophenschutzes regulär in solche Planungen eingebunden werden sollten.

2. Bessere Vernetzung zwischen den Akteuren

Insbesondere in der Anfangsphase der Pandemiebewältigung zeigte sich, dass es kaum etablierte Kommunikationsstrukturen und -wege zwischen dem Regelsystem im Gesundheitswesen und den etablierten Strukturen im Bevölkerungsschutz gibt. Dies zeigte sich sowohl auf Ebene der zuständigen Landesverwaltungen (MSGIV und MIK) als auch zwischen den Dienstleistern und Spitzenverbänden. Unter anderem durch die in den letzten 20 Jahren erfolgten Kommunalisierungen des Rettungsdienstes waren auch Vernetzungsstrukturen zwischen Hilfsorganisationen und der Notfallvorsorge weitestgehend zum Erliegen gekommen.

Um in zukünftigen Krisenlagen besser agieren zu können, braucht es daher einen Ort, an dem im Vorfeld über ein zielgerichtetes Krisenmanagement, mögliche Schadenslagen und Szenarien, unter Einbeziehung von Ärzteschaft, Krankenhäusern, Rettungsdienst, Katastrophenschutz und Hilfsorganisationen gesprochen wird.

3. Aufbau einer Landesvorhaltung zur Unterstützung der sozialen kritischen Infrastruktur

Die Auswirkungen der Pandemie haben uns nochmals klar vor Augen geführt, dass soziale Einrichtungen zur kritischen Infrastruktur gehören. Das bedeutet, dass es zu erheblichen sozialen, gesellschaftlichen und menschlichen Problemen kommt, wenn diese Einrichtungen nicht mehr funktionieren.

Für den Fall, dass es künftig zu einer Beeinträchtigung oder sogar zum Ausfall von sozialer Infrastruktur kommen sollte (z.B. Einrichtungen der stationären Altenhilfe, Eingliederungshilfe, ambulante Pflege, Kindertagestätten, usw.) sollte es eine Landesvorhaltung im Rahmen des gesundheitlichen Bevölkerungsschutzes geben, die wichtige Materialien zentral vorhält. Hierzu gehören u.a. Schutzausrüstung, mobile Pflegebetten, Hygienekits und Windeln. Nur durch eine ausreichende staatliche Vorhaltung können Engpässe in der Beschaffung von wichtigen Gütern im sozio-medico Kontext zukünftig vermieden werden.

Besser vorbereitet für Krisenlagen

Die aktuelle Lage stellt alle Akteure im Gesundheitswesen vor erhebliche Belastungen.

Um zukünftig besser vorbereitet zu sein, braucht es von Seiten des Staates mehr Planungen und Vorbereitungen im gesundheitlichen Bevölkerungsschutz. Hierbei sollten die Erfahrungen aller Akteure aus der aktuellen Krise einbezogen werden.

Auf dem Bild: Hubertus Diemer, Vorsitzender des Vorstands im DRK-Landesverband Brandenburg e.V. (3. v. l.) mit Vertretern der Brandenburger Hilfsorganisationen bei der Eröffnung des Impfzentrums in Potsdam

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