Flucht und Migration Was wir tun

„Zusammen stark! Empowerment“: Mit Videodolmetschen eine gemeinsame Sprache finden

Projektstart Empowerment Videodolmetschen

Gespräche mit Eltern gehören für Kitafachkräfte genauso zum Arbeitsalltag wie die Betreuung der Kinder. Vor allem im Austausch mit geflüchteten Familien erschweren jedoch sprachliche Barrieren häufig eine nachhaltige Elternarbeit. Der DRK-Landesverband unterstützt Kitas und Familien in Brandenburg deshalb künftig durch den Einsatz von Videodolmetschern.

„Bei uns in der Einrichtung haben aktuell ungefähr 30 Prozent der Kinder einen Flucht- oder Migrationshintergrund. Die Kinder verstehen sich untereinander sehr gut und haben keine Schwierigkeiten, sich miteinander zu verständigen. Im Austausch zwischen uns und den Eltern ist das leider häufig anders. Schon bei den Anmeldegesprächen im letzten Jahr haben wir gemerkt, dass die Kommunikation hier noch nicht so gut klappt, wie wir uns das wünschen“, erzählt Michaela Karl, Leiterin der DRK-Einrichtung „Hort Siebenstein“ in Königs Wusterhausen.

Sprachliche Barrieren überwinden

Dass diese Situation kein Einzelfall ist, weiß Sven Veigel-Sternberger, Referent für Flüchtlingshilfe und Migration beim DRK-Landesverband Brandenburg. Unterschiedliche Sprachkenntnisse erschwerten häufig den Dialog zwischen Kitafachkräften und Familien mit Fluchterfahrung. „Um eine schnelle Verständigung zu ermöglichen, übernehmen in solchen Fällen oft die Kinder selbst eine Art Dolmetscherrolle in ihren Familien. Doch besonders bei Elterngesprächen, in denen es um die Entwicklung des Kindes geht, sollten die Kinder nicht Teil der Gespräche sein“, so Veigel-Sternberger.

„Zusammen stark! Empowerment“ gestartet

Um sowohl Kitafachkräfte als auch Familien in solchen Situationen künftig besser unterstützen zu können, hat der DRK-Landesverband Brandenburg das von der Bundesintegrationsbeauftragten finanzierte Projekt „Zusammen stark! Empowerment“ ins Leben gerufen. „Über unser Projekt stellen wir den Kindertagesstätten eine Software zur Verfügung, mit der sie sich für jede benötigte Sprache Videodolmetscher live in ihre Einrichtungen zuschalten können“, erklärt Maria Pereira Robledo, Referentin für das Projekt „Zusammen Stark! Empowerment“ beim DRK-Landesverband.

„Durch den Einsatz professioneller Dolmetscher können die Eltern selbst mit den Kitafachkräften sprechen. Damit ermöglichen wir nicht nur ein besseres gegenseitiges Verständnis zwischen Eltern und Erziehern, sondern schützen auch die Rolle der Kinder innerhalb ihrer Familie“, so Pereira Robledo.

Die Idee, bei mehrsprachigen Beratungsgesprächen Videodolmetscher einzusetzen, ist dabei im Roten Kreuz nicht neu. „In der Migrationsberatung für Erwachsene nutzen wir Videodolmetscher schon länger und haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Sven Veigel-Sternberger. Die Nutzung nun auch auf Kinder- und Jugendeinrichtungen auszuweiten, lag daher nahe.

Empowerment Projektstart
Gemeinsamer Test: Projektkoordination Maria Pereira (r.) erklärt die Videodolmetscher-Software. (Foto: Marie-Christin Lux)

Projektauftakt im „Hort Siebenstein“

Über den Zeitraum von zwei Jahren erproben nun zunächst drei Brandenburger DRK-Kinder- und Jugendeinrichtungen die neue digitale Unterstützung: die Kindertagesstätte Waldkobolde in Walddrehna (Heideblick), die Kindertagesstätte Poststraße in Luckenwalde und der „Hort Siebenstein“ in Königs Wusterhausen. „Wir haben bereits eine Schulung mit der Software gemacht, das hat super geklappt. Jetzt freuen wir uns darauf, die ersten Gespräche zu führen“, sagt Nicole Sittek, Mitarbeiterin und Projektverantwortliche im Hort Siebenstein.

Themen, bei denen die Dolmetscher zum Einsatz kommen könnten, gäbe es in der Einrichtung in Königs Wusterhausen genug. „Wir bekommen immer wieder Fragen zum Verwaltungsablauf: Was und wie muss ich beantragen, wohin muss ich mich wenden? Dafür werden wir den Videodolmetscher künftig bestimmt nutzen“, sagt Einrichtungsleiterin Michaela Karl.

Begleitung im Kitaalltag

Familien mit Flucht- oder Migrationserfahrung möglichst umfassend durch den Kitaalltag zu begleiten und auf den Übergang in die Schule vorzubereiten, darum geht es im Projekt auch aus Sicht des DRK-Landesverbands.

„Unser Anspruch ist es, Familien und Kitafachkräften mithilfe der Videodolmetscher-Software einen Austausch auf Augenhöhe zu ermöglichen. Darüber hinaus widmen wir uns aber auch den Themen interkultureller Elternarbeit und Teilhabe von geflüchteten Familien“, erläutert Projektreferentin Maria Pereira Robledo. Sowohl für die Kitafachkräfte als auch für die Eltern in den teilnehmenden Einrichtungen bietet der Landesverband daher zusätzlich zur Videodolmetscher-Software regelmäßig Workshops und Online-Seminare an. „Die Kita ist ein spezieller Ort des Lernens und das möchten wir mit unserem Projekt noch besser für alle Familien erfahrbar machen,“ erklärt Pereira Robledo.

2 Kommentare zu “„Zusammen stark! Empowerment“: Mit Videodolmetschen eine gemeinsame Sprache finden

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