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Warum Videodolmetschen für das Team der DRK-Frühförder- und Beratungsstelle in Luckenwalde so wichtig ist

A. Zelck/DRK-Service GmbH

Die Frühförder- und Beratungsstelle des DRK in Luckenwalde unterstützt Familien, deren Kinder in ihrer Entwicklung beeinträchtigt sind oder denen eine Behinderung droht. Für das Team gehören auch Beratungen von Familien mit Fluchterfahrung zum Arbeitsalltag. Um Sprachbarrieren zu umgehen und diese Familien besser zu beraten, arbeitet die Frühförder- und Beratungsstelle mit Videodolmetscherinnen und -dolmetschern zusammen. Auf diese möchte das Team genauso wie die ratsuchenden Eltern nicht mehr verzichten.

Wenn Ines Dickhoff und Sabine Kerstein über die Videodolmetsch-Software reden, die das Team der DRK-Frühförder- und Beratungsstelle in Luckenwalde seit Mai 2021 nutzt, geraten beide ins Schwärmen.

Beide wissen aus ihren Beratungen mit Familien mit Flucht- oder Migrationserfahrung, wie wichtig eine Kommunikation auf Augenhöhe ist – und was es bedeutet, wenn diese nicht gelingt. „Durch das Videodolmetschen ist eine völlig andere Kommunikation möglich. Die Videodolmetscherinnen und – dolmetscher sind eine enorme Unterstützung. Sie helfen uns als Beraterteam, aber vor allem auch den ratsuchenden Eltern“, sagt Ines Dickhoff, Leiterin der Einrichtung.

Egal, ob Farsi, Rumänisch oder Vietnamesisch: In mehr als 50 Sprachen können die Videodolmetscherinnen und -dolmetscher digital zugeschaltet ortsunabhängig unterstützen und entscheidend dazu beitragen, dass eine Kommunikation zwischen dem Beraterteam und den ratsuchenden Eltern gelingt.

Videodolmetschen hilft allen Beteiligten

Vor allem, wenn es um fachliche Themen geht. Eine Schweigepflichtsentbindung, den Frühförderantrag oder die Voraussetzungen zur Einschulung in Deutschland erklären: Den Videodolmetscherinnen und -dolmetschern gelingt es, Eltern Begriffe und Prozesse in ihrer Erstsprache zu erklären, für die manchmal gar keine direkten Übersetzungen existieren.

Dabei macht das Angebot insbesondere auch die Eltern froh, wie Beraterin Sabine Kerstein berichtet: „Vorher war es so, dass Familien sich selbst Formulare übersetzen und erklären mussten, weil wir das als Beratungsstelle nicht leisten konnten. Umso dankbarer sind sie jetzt, weil ihnen jemand erklärt, welche Chancen der Unterstützung es für sie und ihr Kind gibt.“

Ebenfalls auffällig: Wie ratsuchende Eltern aufblühen, wenn sie die Möglichkeit haben, mit einer Person zu sprechen, die dieselbe Erstsprache spricht. „Dort erzählen sie ganz anders darüber, wo ihr Kind Probleme hat und wo es gut läuft. So, wie sie es mir im Gespräch in deutscher Sprache nicht mitteilen könnten“, sagt Ines Dickhoff.

„Wollen die Unterstützung nicht mehr hergeben“

Dass die Beratungen so gut funktionieren, liege aber auch an der guten Mischung, die die Videodolmetscherinnen und -dolmetscher mitbringen: Sie sind empathisch, herzlich und locker, sodass sie sowohl mit den Eltern als auch mit den Kindern kommunizieren. Gleichzeitig verfügen sie über entsprechendes Fachwissen im medizinischen und psychologischen Bereich und sind hochprofessionell. Entsprechend eindeutig ist das Fazit der DRK-Frühförder- und Beratungsstelle zum Videodolmetschen: „Wir sind so froh, dass wir auf die Software zurückgreifen können und wollen die Unterstützung nicht mehr hergeben“, sagt Ines Dickhoff.

Bis Ende 2021 wurde das Angebot der DRK-Frühförder- und Beratungsstelle über das Projekt „Teilhabe von geflüchteten Familien steigern – FrühFörderung und Beratung“ aus dem DRK-Förderprogramm für die bundesweite Flüchtlingsarbeit des DRK-Bundesverbands gefördert.

Dass die Beratungsstelle auch nach dem Auslaufen dieser Förderung weiterhin Gespräche mit Videodolmetsch-Software anbieten wollte, war klar. Mit Beginn des Jahres 2022 schließt sich die Einrichtung daher dem Projekt „Zusammen stark! Empowerment“ des DRK-Landesverbands Brandenburg an. Das Projekt verfolgt das Anliegen, geflüchtete Familien bei Fragen im Kitaalltag sprachlich zu unterstützen – genauso in Sachen Frühförderberatung.

Vielfältige Potentiale des Videodolmetschens

Für die Zukunft sieht die DRK-Frühförder- und Beratungsstelle in Luckenwalde gleich mehrere Potentiale für die Nutzung der Videodolmetsch-Software „Es gibt diverse Ideen, die sich damit umsetzen lassen: Wir könnten Fragenkataloge in verschiedenen Sprachen entwickeln oder auch Videobotschaften kreieren, die Eltern helfen, zu verstehen, was es mit dieser und jener Art und Weise der Förderung auf sich hat“, sagt Ines Dickhoff.

Was heißt Vollmacht, was bedeutet Sorgerecht? Mehrsprachige Erklärvideos für Eltern mit Fluchterfahrung, die genau darauf eine Antwort geben, kann sich das Team der DRK-Frühförder- und Beratungsstelle gut vorstellen.

Denn erreicht man betroffene Eltern in ihrer Muttersprache und kommuniziert mit ihnen auf Augenhöhe, kommen sie gerne in die Einrichtung, weil sie sich verstanden und gut aufgehoben fühlen.

Das Team der DRK-Frühförder- und Beratungsstelle in Luckenwalde ist überzeugt, dass das Videodolmetschen auch in anderen Bereichen Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung in Deutschland helfen kann: „Egal, ob in Übergangswohnheimen, bei Fallberatungen in Arztpraxen oder Erziehungsberatungen: Das Videodolmetschen könnte noch in weiteren Lebensbereichen Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung helfen und das Ankommen erleichtern. Deswegen verstehen wir uns und unsere Einrichtung auch als Multiplikator. Wir wollen dazu beizutragen, dass noch mehr Menschen vom Videodolmetschen erfahren und es nutzen“, sagt Einrichtungsleiterin Ines Dickhoff.

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Foto: A. Zelck/DRK-Service GmbH

2 Kommentare zu “Warum Videodolmetschen für das Team der DRK-Frühförder- und Beratungsstelle in Luckenwalde so wichtig ist

  1. Petra Löber

    Guten Tag! Was ist das für eine Software und wer darf sie nutzen. Ich bin seit vielen Jahren ehrenamtlich in der Geflüchtetenhilfe in FFO, LOS und MOL tätig und würde gerne darauf zugreifen. Da ich als Integrationskursleiterin zahlreiche Geflüchtete zum B1, B2 und C1- Niveau begleitet habe, habe ich etliche Personen in meinem Netzwerk, die den digitalen Sprachmittler-Pool evtl. bereichern könnten.

    • Marie-Christin Lux

      Die Software und damit auch die Dolmetschenden, die zum Einsatz kommen, werden uns über unseren Vertragspartner SAVD zur Verfügung gestellt. Auf den Pool für diese Software können wir daher nicht direkt zugreifen. Sollten Sie jedoch Personen für Sprachmittlungen im Alltag vorschlagen wollen, melden Sie sich sehr gerne direkt bei unserer DRK Flüchtlingshilfe Brandenburg https://www.drk-fluechtlingshilfe-brb.de/service/kontakt

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