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DRK-Frühförder- und Beratungsstelle in Luckenwalde: Kommunikation auf Augenhöhe durch Videodolmetschen

Frühförder- und Beratungsstelle Luckenwalde

Die DRK-Frühförder- und Beratungsstelle in Luckenwalde arbeitet fortan mit Videodolmetschern, um Familien mit Fluchterfahrung besser beraten zu können.

Wer aus dem Ausland nach Deutschland kommt, der muss sich eingliedern. Häufig hört man diese Aussage, wenn es um das Thema Geflüchtete geht. Doch das Ankommen in einem neuen Land erfordert Unterstützung und gegenseitiges Verständnis. Gerade die Bürokratie in Deutschland stellt Familien mit Fluchterfahrung häufig vor Herausforderungen. Ein grundlegendes Problem ist dabei immer wieder die Sprache.

Besseres gegenseitiges Verständnis durch Videodolmetscher

Um geflüchtete Familien bei Fragen im Kitaalltag sprachlich zu unterstützen, hat der DRK-Landesverband Brandenburg e.V. vor einem Jahr das von der Bundesintegrationsbeauftragten finanzierte Projekt „Zusammen stark! Empowerment“ ins Leben gerufen. Drei Kinder- und Jugendeinrichtungen des DRK-Kreisverbands Fläming-Spreewald e.V. nutzen seitdem für mehrsprachige Elterngespräche eine Software, mit der sie sich für die benötigten Sprachen live Videodolmetscher in ihre Einrichtungen zuschalten können.

„Ich finde es sehr wichtig, dass es darum geht, die Menschen einzubinden und das macht das Empowerment-Projekt des Landesverbandes Brandenburg sehr gut. Es ist Kommunikation auf Augenhöhe und kein einseitiger Begriff von Integration“, sagt Larissa Reinhardt, Referentin für das Empowerment-Projekt im DRK-Landesverband Brandenburg.

Teilhabe von geflüchteten Familien steigern

Seit Mai 2021 nutzt nun auch die DRK-Frühförder- und Beratungsstelle in Luckenwalde die Software. Gefördert wird das neue Angebot über das Projekt „Teilhabe von geflüchteten Familien steigern – FrühFörderung und Beratung“ aus dem DRK-Förderprogramm für die bundesweite Flüchtlingsarbeit des DRK-Bundesverbands.

Das Team rund um Einrichtungsleiterin Ines Dickhoff betreut Familien, deren Kinder durch eine Krankheit, eine Behinderung oder eine frühe Geburt eine Frühförderung benötigen. Dabei wird sowohl mit den Kindern direkt gearbeitet als auch den Eltern beratend zur Seite gestanden.

Durch die räumliche Nähe zu einigen Unterkünften für Geflüchtete sowie den Zuwachs an Familien mit Flucht- oder Migrationserfahrung in der Bevölkerung sehen sich die Beraterinnen und Berater oft mit einer Sprachbarriere konfrontiert. Wo früher mit Händen und Füßen und zum Teil externen Dolmetschern gearbeitet wurde, soll nun der Einsatz von Videodolmetschern unterstützen.

Sprung ins kalte Wasser

Nach einem Besuch in einer der DRK-Kitas, die im Rahmen des Empowerment-Projekts bereits das Dolmetschertool anwendet, kam eine Kollegin von Ines Dickhoff begeistert auf sie zu und erzählte ihr vom Empowerment-Projekt. Nach ein wenig Recherche sprang diese Begeisterung ebenfalls auf die anderen Kolleginnen der Frühförder- und Beratungsstelle über. Innerhalb von drei Wochen wurde das Projekt zusammen mit Sven Veigel-Sternberger, Referent für Flüchtlingshilfe und Migration im DRK-Landesverband Brandenburg e.V., beantragt und im Mai 2021 offiziell gestartet.

Einen Tag vor der Ordnerübergabe zum offiziellen Start des Projekts nahmen Ines Dickhoff und ihre Kollegen noch an einer Online-Schulung zum Programm teil. Gut vorbereitet sind sie also. Dennoch, so Ines Dickhoff, sei es ein Sprung ins kalte Wasser.

Sie müsse in den nächsten Wochen schauen, welche Kolleginnen für Dolmetschertermine besonders gut geeignet sind. Oft fahren die Berater auch zu den Familien nach Hause. Dafür sollen bald Handys zur Verfügung stehen, mit denen auf das Dolmetschertool zugegriffen werden kann.

Besonders wichtig ist es für die Beratungsstelle, die Termine mit Dolmetschern entsprechend zu planen, da Gespräche oft länger dauern als erwartet. „Je besser ein Dolmetscher vorbereitet ist, desto ruhiger läuft das Gespräch“, sagt Ines Dickhoff.

Sie spricht aus Erfahrung. Mit einigen externen Dolmetschern gab es das ein oder andere Mal Schwierigkeiten, da sie beispielsweise das Gespräch infrage gestellt haben. Das verunsichert die Familien extrem.

Professionelle Sprachmittlung

Die Videodolmetscher, die künftig in der Beratungsstelle zum Einsatz kommen, haben neben den nachgewiesenen, anerkannten Sprachkenntnissen meist zusätzlich einen medizinischen oder rechtswissenschaftlichen Hintergrund, sodass ein grundlegendes Verständnis für die Themen der Beratungsstelle bereits vorhanden ist. Durch die Zuarbeit der Beratungsstelle vor dem Termin machen sie sich außerdem mit den Fachbegriffen vertraut und lesen sich in den Fall ein.

Allgemeine Unterlagen und Formulare, die für die Familien wichtig sind, werden im Vorfeld bereits in die Sprachen übersetzt, mit denen die Beratungsstelle am häufigsten zu tun hat: Französisch, Englisch, Russisch und Arabisch.

Zudem gibt es die Möglichkeit, Videobotschaften mit den Dolmetschern zu erstellen, um den Familien zum Beispiel zu erklären, wie sie Vollmachten und Formulare richtig ausfüllen. So wird hier Zeit gespart und die Beraterinnen können sich vollkommen auf die Familie konzentrieren.

Die Möglichkeiten des Videodolmetschens bestmöglich nutzen

Hinzu kommt, dass sich das Programm nicht nur auf die Übersetzung an sich, sondern auch auf die bestmögliche Lösung für die Familie fokussiert. Beispielsweise besitzt jeder Dolmetscher eine ID-Nummer, die von Ines Dickhoff und ihren Kollegen genutzt werden kann, um für Klienten immer den gleichen Übersetzer zu verwenden.

Auch auf verschiedene Bedürfnisse der Familien kann sich eingestellt werden. „In manchen Ländern ist es üblich, dass die Männer die behördlichen Aufgaben übernehmen und dabei auch nur auf Männer treffen. Sie fühlen sich unwohl, wenn ihnen in solchen Situationen Frauen gegenübersitzen. In so einem Fall können wir beantragen, dass ein männlicher Dolmetscher dazukommt“, sagt Ines Dickhoff.

Individuelle Anpassungen sind im beim Videodolmetschen immer erlaubt und erwünscht. Es soll schließlich die Arbeit erleichtern und für die jeweilige Einrichtung funktionieren. Die Frühförder- und Beratungsstelle hat in den nächsten Wochen und Monaten viel vor mit ihrem neuen Angebot. Sie wollen die verschiedenen Möglichkeiten, die sich ihnen durch das Videodolmetschertool bieten, so gut wie möglich nutzen.

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